Mittwoch, 21. Januar 2026

Ein Freundebuch & viele Gedanken

 Mein Sohn hat ein Freundebuch mit nach Hause gebracht

eines von vielen

Es wird herumgereicht
ausgefüllt
weitergegeben
ganz selbstverständlich

Und während ich ihm dabei zusehe, merke ich, wie viel das in mir auslöst


Ein Vergleich, der einfach passiert

In seinem Alter hatte ich nicht einmal ansatzweise so viele Freundebücher

Schon im Kindergarten gingen sie herum
von Kind zu Kind
an mir vorbei

Auch später in der Schule
fast wie immer das gleiche Bild

Freundebücher waren da
aber irgendwie selten bis nie bei mir


Eine stille, traurige Kindheit

Meine Kindheit war nicht laut traurig
sondern leise

Dieses Gefühl, nicht richtig dazuzugehören
nicht gefragt zu werden
übersehen zu werden

Als Kind versteht man nicht, warum
man nimmt es einfach hin und ist bedröppelt


Heute als Mama

Jetzt halte ich das Freundebuch eines Kindes das bei meinem Sohn in die Klasse geht
in der Hand & sehe, wie selbstverständlich er dazugehört

Wie normal es für ihn ist, Teil von etwas zu sein

Und irgendwo tut es weh
aber gleichzeitig ist da auch etwas anderes

Erleichterung
Dankbarkeit
dass es für ihn anders ist


Gedanken, die bleiben

Manche Dinge aus der eigenen Kindheit
holen einen unerwartet ein

Nicht als Vorwurf
nicht als Wunde, die wieder aufreißt

Sondern als Erinnerung daran
wie sehr man sich wünscht, dass es die eigenen Kinder leichter haben


Ein leiser Moment

Dieses Freundebuch ist nur Papier
ein paar Seiten
ein paar Namen

Und trotzdem erzählt es eine Geschichte
von früher
& von heute

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